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Im Diensten der Leichtigkeit

hoskuldurhauksson
vor 7 Stunden
2 Min. Lesezeit

Als wir diesen Herbst mit der Pinot-Noir-Lese begannen, kam ein Nachbar mit einem breiten Grinsen vorbei und fragte: „Sind die schon reif?" Er selbst wollte erst in drei Wochen mit dem Pinot beginnen. Aber ich wusste, meine waren reif, und ich wollte sie rasch in den Keller bringen — bei 98 Grad Oechsle wollte ich sie nicht noch reifer werden lassen.


Es war ein aussergewöhnlich heisser, trockener Sommer, und die Trauben haben reagiert, wie Trauben das eben tun: mehr Zucker, dickere Schalen, stellenweise eine rosinige Konzentration, die auch einem Amarone gut zu Gesicht stünde. Dieser Jahrgang wird reifer und kraftvoller ausfallen als die vorangegangenen — was mich vor einen kleinen Konflikt stellt. Auf der einen Seite steht alles, was ich mir von einem Glas Pinot Noir eigentlich wünsche: Leichtigkeit, Frische, Finesse, jene Art von Eleganz, die sich selbst nicht in den Weg stellt. Auf der anderen Seite die schlichte Tatsache, die sich mir immer wieder bestätigt: Die meisten Weintrinker wollen genau das Gegenteil. Sie wollen Opulenz. Sie wollen Gewicht, Reife, Fülle — einen Wein, der sich ankündigt.


Besonders deutlich wurde mir das am Wine Date in Luzern letztes Wochenende. Wer meine Weine schon kannte und gezielt an unseren Stand kam, ging zufrieden — wie immer. Aber die meisten, die einfach zu einer Degustation vorbeikamen, wussten mit einem derart hellen Pinot Noir wenig anzufangen. Manche dachten sogar, ich hätte ihnen einen Rosé eingeschenkt.


Also ja — dieser Jahrgang wird reifer ausfallen, als Sie es von mir gewohnt sind. Aber ich überlasse dem Sommer nicht einfach das letzte Wort. Ich habe dieses Jahr einen Teil der Trauben sehr früh für den Schaumwein gelesen, und werde einen Teil davon zurück in die roten Weine verschneiden — eine kleine Korrektur, um in einem Jahrgang, der zur Hitze neigt, etwas Frische und Balance zu bewahren.


Aber wenn ich es mir recht überlege, ist es vielleicht genau richtig so. Im Moment habe ich meinen 2023er im Verkauf, und der ist genau so, wie ich ihn haben möchte — elegant, fein gebaut, mit einer Finesse, die immer funktioniert. Wer aber lieber mehr Opulenz, mehr Reife, mehr Fülle im Glas mag, für den wartet der 2026er. So bekommt am Ende jeder einen Jahrgang, den er lieben kann — das scheint mir eine faire Art, einen Weinberg zu führen.


Und falls jemand so lange nicht auf etwas Kraftvolleres warten möchte: Ich habe noch einige Kartons Pinot Noir Alpberg 2018 an Lager — ebenfalls ein grosszügiger Jahrgang, bereits gereift und trinkbereit. Einfach anfragen.


 
 

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