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Was ist Biodynamik wirklich??

  • hoskuldurhauksson
  • 8. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn man gefragt wird, worin der Unterschied zwischen biologischem und biodynamischem Weinbau besteht, tendieren ich – und die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen – dazu, aufzuzählen, was wir anders machen. Meistens fällt die Erklärung technisch aus: Wir verwenden etwas weniger Kupfer im Weinberg und wir setzen die beiden zentralen biodynamischen Präparate ein – Hornmist (500) und Hornkiesel (501). Für viele Menschen ist diese Antwort ausreichend, und das Gespräch endet dort.


Die wirklich spannende Frage ist jedoch nicht, was wir tun. Sondern warum wir es tun.


Die Mengen dieser Präparate, die wir ausbringen, sind so klein, dass klar wird: Hier geht es nicht um Chemie. Hornkiesel wird beispielsweise mit etwa 5 Gramm pro Hektare angewandt. Verglichen mit der Biomasse und der Erdmasse eines ganzen Rebbergs ist das eindeutig eine homöopathische Dosis. Und dennoch – für Menschen, die mit dem Land arbeiten, ist der Unterschied unübersehbar.


Das Ziel dieser Präparate ist es, das zu verstärken und zu harmonisieren, was Rudolf Steiner die ätherischen Kräfte des Weinbergs nannte. Das sind die gestaltenden, lebensspendenden Kräfte, die Wachstum, Widerstandskraft und Vitalität lenken. Für alle, die mit der Traditionellen Chinesischen Medizin oder dem Ayurveda vertraut sind, ist diese Idee keineswegs exotisch – das Ätherische entspricht direkt dem Qi und dem Prana, den feinen Lebensenergien dieser Traditionen.

Und genau wie Qi und Prana hat auch das Ätherische zwei grundlegende Polaritäten.

In der TCM sind dies Yin (erdig, nährend, nach innen gerichtet, feucht) und Yang (hell, wärmend, nach aussen gerichtet, reifend).

Im Ayurveda entsprechen dem Kapha (Stabilität, Erde-Wasser) und Pitta (Feuer-Licht, Transformation).


Hornmist (500) stärkt die Yin/Kapha-Seite der Rebe – Verwurzelung, Befeuchtung, Erdung, eine tiefere Verbindung der Pflanze zum Bodenleben.

Hornkiesel (501) stärkt die Yang/Pitta-Seite – Klärung, Aufrichtung, Reifung, eine Ausrichtung der Pflanze Richtung Licht und Ausdruck.


Die Idee dahinter ist einfach: Wenn man diese beiden Pole der Lebenskraft im Weinberg stärkt und ausgleicht, werden die Reben widerstandsfähiger, die Weine lebendiger und ausdrucksstärker und – vielleicht am interessantesten – auch die Konsumentinnen und Konsumenten erfahren einen feinen energetischen Nutzen. In der Biodynamik ist die Vitalität des Bodens nicht einfach ein landwirtschaftliches Thema; sie ist Teil eines Kontinuums, das auch jene einschliesst, die den Wein später trinken.


Nun ist es wahr, dass die moderne, peer-reviewte Wissenschaft die Existenz von Qi, Prana oder ätherischen Kräften (noch) nicht bestätigt hat. Auch gibt es kein etabliertes Messinstrument dafür. Aber das Fehlen wissenschaftlicher Sprache bedeutet nicht das Fehlen eines Phänomens. Viele Menschen spüren diese Energien ganz einfach im Alltag:

  • Wenn Sie schon einmal bei der Akupunktur waren und eine Welle von Empfindung gespürt haben – wie ein Kribbeln, ein Stromstoss oder eine Linie von Wärme –, die sich vom Einstichpunkt aus ausbreitet, dann ist das das unverwechselbare Erleben von Qi in Bewegung.

  • Wenn Sie in der Meditation sitzen und Ihr Körper plötzlich weit, warm und subtil «lebendig» von innen wird, dann ist das Prana, das sich ausdehnt und beruhigt.

  • Wenn Sie Yoga praktizieren und bemerken, wie Ihre Hände kribbeln oder die Wirbelsäule sanft summt, dann ist das der energetische Körper, der aktiv wird.

  • Und wer etwas sensibler ist, kann manchmal sogar spüren, wo der Energiekörper einer anderen Person – oder eines Baumes – beginnt. Diese Grenze ist oft erstaunlich klar.


Die Biodynamik arbeitet genau mit dieser Ebene der Realität.


Sie erkennt an, dass Landwirtschaft nicht nur ein mechanischer Prozess ist, sondern eine lebendige Beziehung zwischen Erde, Pflanzen, kosmischen Rhythmen und den feinen, energetischen Kräften, die alles Leben durchdringen. Und sie vertraut darauf, dass der Wein, wenn man den Rebberg auf dieser tieferen Ebene unterstützt, eine Reinheit, Resonanz und Bekömmlichkeit ausdrückt, die keine technische Intervention ersetzen kann.


Am Ende des Tages muss man an all das nicht «glauben». Man kann es einfach schmecken. Die Biodynamik lebt oder fällt nicht mit Theorien, sondern mit der Vitalität und der Bekömmlichkeit der Weine, die sie hervorbringt. Meine Einladung ist schlicht: Bewahren Sie einen offenen Geist, schenken Sie sich ein Glas Wein ein – und lassen Sie Ihre eigenen Sinne entscheiden.


Liebe Grüsse, Hoss

 
 
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